Was können wir von unseren Hunden lernen?
Wenn ich an den Tag zurückdenke, an dem Dobby in mein Leben kam, dann war da kein inneres Feuerwerk. Das kam später. Keine großen Glücksgefühle. Da war vor allem dieser überwältigende Gedanke:
„Ich hab’s wirklich gemacht. Ich hab jetzt einen Hund.“
Ich war wie gelähmt, auf eine gute Art. Überfordert mit der Situation, mit der Verantwortung, mit all dem, was plötzlich so real wurde. Und gleichzeitig war da dieses instinktive Wissen:
Das, was jetzt vor dir liegt, wird etwas ganz Besonderes. Das wird richtig gut.
Dobby war mein erster eigener Hund.
„Aber hey, das schaff ich schon. So schwer kann das ja nicht sein.“
Rückblickend betrachtet war ich naiv. Und vielleicht war genau das eines der größten Geschenke, die ich Dobby machen konnte. Ich bin unvoreingenommen an unsere gemeinsame Zeit herangegangen.
Hochmotiviert, ohne zu wissen, wie sehr dieses Miteinander mich verändern würde. Ich wollte eine Beziehung die echt war. Greifbar. Und genau das habe ich bekommen. Etwas das größer war als alles, was ich bis dahin kannte.

Wenn ich heute zurückblicke auf unsere gemeinsamen Jahre sehe ich so viel Entwicklung auf beiden Seiten. Dobby hat durch die Stabilität, die unser kleines Rudel ihm gab, seinen Frieden gefunden. Doch ich bin über mich hinausgewachsen auf eine Weise, die ich damals nicht erahnen konnte und so kommen wir zu der ursprünglichen Frage zurück: Was können wir von unseren Hunden lernen? Und da fällt mir eine ganze Menge ein. Daher beschränke ich mich heute auf sieben wichtige Lektionen.

1. Im Moment leben
Wenn wir ehrlich sind, dann erinnern uns Hunde vor allem daran, wie Leben sich anfühlen kann, wenn wir weniger denken und mehr sind. Nicht mit großen Worten, sondern durch ihr Verhalten. Hunde leben nicht in der Vergangenheit und sie planen auch nicht die Zukunft. Wenn sie bei uns sind, dann sind sie da. Nicht nur körperlich anwesend, sondern mit ihrem ganzen Sein. Sie zeigen uns das Präsenz ein Geschenk ist. Dass wir nicht mehr brauchen, sondern weniger Ablenkung.

2. Vertrauen ohne Bedingungen
Ein Hund entscheidet sich jeden Tag neu für uns. Nicht weil wir perfekt sind. Sondern weil wir wir sind. Dieses Vertrauen ist bedingungslos und das macht es so verdammt stark. Es zeigt uns, wie heilsam es ist, wirklich man selbst zu sein. Aber auch das jeder seine Makel hat. Entscheidend ist, wie wir damit umgeht. Toleranz ist hier das entscheidende Stichwor

3. Fehler machen und weiter geht’s
Wenn Hunde Fehler machen, bleiben sie nicht darin stecken. Kein Grübeln. Keine Selbstverurteilung. Sie schütteln sich und weiter geht’s. Fehler gehören dazu. Sie sind Teil des Wegs. Die Angst Fehler zu machen ist daher für mich kein Argument mehr etwas nicht zu tun. Grade aus Fehlern lernt man nämlich meistens viel mehr als wenn man alles richtig macht. Du kennst sicher auch eine Situation in der das der Fall war. Ich muss da spontan an eine Situation aus meiner ersten Ausbildung denken, wo ich den Katzen ihr Futter auf den Boden gestellt habe und die Hühner das ganze Futter weg gepickt haben. Die Miezis waren nicht begeistert als sie am Abend vor leeren Näpfen standen. Vielleicht ist das eine der wichtigsten Lektionen.

4. Grenzen setzen
Hunde kommunizieren klar. Wenn etwas zu viel ist, zeigen sie es. Ohne Schuldgefühle. Ohne Rechtfertigung. Sie lehren uns, dass Grenzen setzen etwas normales ist. Das sie wichtig sind um einander besser verstehen und respektieren zu können. Hunde setzen eine Grenze und dann geht es weiter. Da gibt es kein beleidigt sein und es wird einem das Verhalten, dass zu der klaren Grenze geführt hat, auch nicht nachgetragen. Sie sind einfach ehrlich in dem was sie tun.

5. Liebe zeigen ohne sie erklären zu müssen
Hunde lieben nicht kompliziert. Sie fühlen und zeigen ihre Gefühle. Für sie muss liebe nicht perfekt sein um echt zu sein. Sie analysieren nicht jedes Verhalten von ihren Bezugspersonen. Dein Hund freut sich dich wieder zu sehen? Dann wedelt das Schwänzchen ganz aufgeregt und es wird ganz schnell zur Tür gelaufen um dich in Empfang zu nehmen.

6. Wachstum passiert im Miteinander
Unsere Hunde wachsen mit uns und wir mit ihnen. Mit den Herausforderungen die wir gemeinsam bewältigen und das nicht weil einer alles richtig macht. Sondern weil Beziehung einen Raum schafft in dem Entwicklung möglich ist. Es ist ein gegenseitiges annähern, ein lernen und eine ständige Kommunikation miteinander. Unser Umfeld formt uns und dazu zählen auch unsere Hunde, wodurch sie einen maßgeblichen Einfluss auf unsere Entwicklung haben.

7. Du darfst sein wie du bist
In meinen Augen die größte Lektion von allen. Hunde erwarten nicht, dass du dich für sie verbiegst. Sie nehmen uns wie wir sind und zeigen uns das wir genau so genug sind. Dadurch das sie im Moment leben und durch ihre klare Kommunikation schaffen sie einen Raum in dem du selbst sein kannst und dich trotzdem entwickeln kannst, wenn du es möchtest.


